IV. Italien Reise: Geister der Toskana

19–29 Minuten

Ein Ort, der von außen perfekt aussah

Ich stand in der Küche und blickte hinaus auf die Landschaft.

Sanfte Hügel, die sich wie grüne Wellen durch die Toskana zogen. Diese typischen, schmalen, kerzenförmigen Zypressen, die wie stille Wächter entlang der kurvigen Wege standen. Goldene Felder, die im warmen Herbstlicht leuchteten. Die Luft weich, die Sonne mild – genau diese Art von besonderen Momenten, die sich anfühlen, als hätte jemand sie extra schön gemacht.

Unsere Unterkunft hatte eine kleine Terrasse mit Blick über diese wunderschöne Weite der Toskana. Am Morgen mit Nebel über den Hügeln, am Tag mit Sonne und an Regentagen mit kuscheligen, dicken Wolken, die tief über der Landschaft hingen.

Ich sah diese Schönheit aus dem Fenster, und trotzdem liefen mir die Tränen der Verzweiflung. Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als diesen Ausblick in vollen Zügen genießen zu können. Ich konnte ihn sehen, aber ich konnte ihn nicht genießen.

Es war schwer zu greifen, was genau nicht stimmte.

Denn im Außen war alles einfach perfekt. Die Landschaft, das Wetter, die Wohnung – alles war da, um glücklich zu sein. Ein Ort, an dem man eigentlich sofort ankommen sollte. Und trotzdem war da dieses Gefühl, das mich nach ein paar Tagen in die Verzweiflung trieb.

Dieses leise, aber konstante:

Hier stimmt etwas nicht.

Mein Notfallkoffer war schon im Einsatz

Ich merkte es schon bei der Ankunft.

Wie immer hatte ich meine Sachen dabei – Räucherwerk, Kristalle, mein selbstgemachtes Schutzsalz. Ein kleines Täschchen mit allen nötigen Dingen für den Fall, dass man sich in einer Wohnung nicht wohlfühlt. Und als übersinnliche Person habe ich auf Reisen längst gelernt, wie wichtig es ist, Dinge dabeizuhaben, die für Ruhe im Raum sorgen, Energien reinigen und auch die Unterkunft ein wenig harmonisieren.

Mir ist bewusst, dass solche Unterkünfte sehr viele Gäste sehen – und Gäste bringen sehr unterschiedliche Energien mit. Manche hinterlassen Freude, andere Erschöpfung, Streit, Traurigkeit, Unruhe. Und manchmal scheint es mir, als würden diese Dinge ein wenig in den Wänden hängen bleiben. Ich hatte schon oft Erlebnisse, in denen ich kaum schlafen konnte, weil ich von unangenehmen Szenen, Familiengeschichten oder fremden Emotionen geträumt habe, die sich gar nicht nach mir angefühlt haben.

Und wenn man reist und gleichzeitig online arbeitet, ist Schlaf nicht einfach Luxus, sondern eine Grundlage.

Damit man gut arbeiten kann. Damit man innerlich ruhig bleibt. Damit ein Raum still wirkt und man für diese kurze Zeit wirklich ankommen kann.

Für mich ist das inzwischen eine Form von Selbstfürsorge. Wenn ich schlafe, möchte ich, dass mein Unterbewusstsein meinen Tag und meine eigenen Eindrücke verarbeitet – und nicht die Energien fremder Menschen.

Ich schlafe deshalb oft mit Hämatit-Steinen um das Bett herum, um meine Energie vor äußeren Einflüssen zu schützen. Ich habe auch bestimmte Kristalle, die unter meinem Kissen liegen oder neben dem Bett. Wenn eine Wohnung leicht und freundlich wirkt, dann brauche ich das alles kaum – so wie in Ravenna. Aber bei dieser Wohnung in der Toskana wollte ich plötzlich alles benutzen, was ich dabei hatte.

Bis zu diesem Moment hatte ich auf der Reise mein selbstgemachtes Schutzsalz fast gar nicht verwendet. Und jetzt wollte ich es überall verstreuen – an Fenstern, an Türen, fast so, als würde ich die Energien von außen als negativ empfinden und innerlich sagen: Ihr bleibt draußen.

Und als ich spürte, dass selbst das Salz mir nicht wirklich half, begann ich ganz intuitiv, kleine Kreuze über Fensterrahmen und Türrahmen zu zeichnen. Dieses Ritual kenne ich aus der orthodoxen Tradition, in der Kreuze auch als Schutz verwendet werden. Natürlich habe ich auch geräuchert – mit weißem Salbei und mit Palo Santo. Und trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es nicht ausreichte.

Und gleichzeitig lief in mir die ganze Zeit diese Frage:

Warum eigentlich?

Denn die Wohnung war gut, Teil einer schönen Ferienhausanlage, in einer wunderschönen Region der Toskana.

Der Spiegel, durch den ich nicht schauen konnte

Der Spiegel im Schlafzimmer war das Erste, was mich wirklich irritierte.

Ich konnte nicht hineinschauen.

Nicht, weil ich mich nicht sehen wollte 😉 sondern weil es sich nicht wie ein Spiegel anfühlte. Es war, als würde ich nicht auf eine Fläche schauen, sondern in eine Tiefe. Wie in einen Tunnel. Oder in einen Durchgang. Ich konnte es nicht erklären. Ich konnte es nur fühlen. Und jedes Mal, wenn ich in seine Richtung blickte, zog sich etwas in mir zusammen.

Also habe ich ihn abgehängt.

Nicht lange überlegt. Einfach gemacht.

Am liebsten hätte ich ihn gleich ganz aus der Wohnung getragen, und genau das habe ich zuerst auch getan. Aber nachdem uns in der ersten Nacht schon ein paar Kleinigkeiten vom Motorrad geklaut worden waren, bekam ich plötzlich Sorge, dass am Ende auch noch der Spiegel verschwindet – und ich dann ernsthaft erklären muss, warum ich auf Reisen nicht nur Salz streue, sondern auch Möbel auslagere. Also blieb der Spiegel in der Wohnung, allerdings so gedreht, dass er zur Außenwand zeigte. Denn wenn aus ihm schon irgendetwas hätte herauskommen wollen, dann bitte wenigstens direkt aus dem Haus hinaus.

Frag mich nicht, warum ich diesen Gedanken hatte. Ich hatte nirgendwo etwas darüber gelesen. Aber in dem Moment war es für mich das Stimmigste überhaupt.

Das Gefühl, nie ganz allein zu sein

Dann war da dieses Gefühl, beobachtet zu werden.

Ganz unangenehm und gleichzeitig völlig unerklärbar. Nicht so, dass man sich erschreckt. Eher so, dass man sich nie ganz allein fühlt.

Ich merkte es besonders in ganz gewöhnlichen Momenten. Beim Umziehen zum Beispiel.

Ich stand nackt im Raum – und plötzlich war da dieses starke Unwohlsein. Als würde jemand mich anschauen. Nicht sichtbar. Aber spürbar. Ein fremder Blick, den ich nicht eingeladen hatte. Nicht erlaubt hatte. Und trotzdem war er da.

Ich zog mich schneller an. Und natürlich analysierte ich das ganze Zimmer erst einmal auf versteckte Kameras – man ist ja schließlich ein modernes Wesen und nicht nur spirituell veranlagt. Aber es gab nichts. Und trotzdem blieb dieses Gefühl, gerade im Schlafzimmer permanent beobachtet zu sein.

Ich fragte mich ernsthaft:

Was ist hier los mit mir? Warum fühle ich mich hier so schräg?

Draußen diese Schönheit. Innen diese Spannung und dieses Unwohlsein.

Es war, als würden zwei Realitäten parallel existieren.

Und genau das machte es so schwierig. So musste ich mir selbst die ganze Zeit dieselben Fragen stellen: Bilde ich mir das ein? Warum fühle ich mich hier so komisch beobachtet?

Die Antwort kam in der Nacht

Ich stand halb schlafend auf, ging zur Toilette, irgendwo zwischen Traum und Wachsein. Und plötzlich war sie da.

Die Antwort.

Nicht als Gedanke. Nicht als Überlegung. Sondern wie ein Blitz.

Friedhof.

Dieses Haus… steht auf einem alten Friedhof.

Wie bitte?

Auf einmal war ich hellwach.

Denn in diesem Moment fühlte es sich nicht wie eine Idee an. Es fühlte sich an wie eine Erklärung von außen, denn diese Vermutung hatte ich vorher überhaupt nicht im Sinn. Und auf einmal machte alles Sinn.

Das Gefühl, beobachtet zu werden.
Die Spannung im Körper.
Der Spiegel als gefühltes Portal.
Mein starker Schutzbedarf gleich bei der Ankunft.

Am nächsten Tag begann ich zu recherchieren. Ich fuhr sogar in die Innenstadt und schaute mir alte Stadtkarten an. Ich wollte verstehen.

Ich fand nichts Konkretes zu einem Friedhof genau an dieser Stelle. Aber ich fand Hinweise darauf, dass in dieser Region rund um diese kleine Stadt viele Schlachten stattgefunden haben. Dass hier Menschen gestorben sind. Viele. Und es war für mich logisch, dass Massenbegräbnisse oder Orte, an denen Menschen ohne würdigen Abschied gestorben sind, eine ganz eigene Ausstrahlung haben können.

Und dann wurde mir noch etwas bewusst: Diese Ferienhausanlage war relativ neu. Am Rand eines Dorfes. Keine gewachsene Geschichte. Kein Familienhaus. Kein Ort, der über Generationen getragen wurde. Ein neu gebauter Ort… auf alter Erde.

Und was liegt oft am Rand eines Dorfes? Genau. Ein Friedhof. Oder ein Massenbegräbnis nach einer Epidemie oder einer Schlacht.

Ich hatte keine Beweise. Aber ich hatte ein Gefühl. Und dieses Gefühl war plötzlich sehr klar – und für mich endlich verständlich.

Zwischen Wissenschaftlerin und Wahrnehmung

Und genau da begann der eigentliche Konflikt.

Denn mein Verstand war natürlich völlig dabei. Und bei einer Wissenschaftlerin, wie mich, leider oder zum Glück ausgesprochen lebendig. Fünf Jahre in der Forschung haben mein kritisches Denken enorm gefördert. Also stellte mein Verstand Fragen. Er wollte Sicherheit. Beweise. Logik.

Und gleichzeitig war da diese andere Ebene, die einfach wusste.

Und ich stand genau dazwischen. Zwischen Wahrnehmung und Zweifel. Zwischen Gefühl und Verstand. Und genau das hat mich am meisten erschöpft.

Dieser Zustand blieb.

Nicht immer gleich stark, nicht durchgehend greifbar – aber präsent genug, um mich innerlich nicht wirklich zur Ruhe kommen zu lassen. Es war, als würde etwas im Hintergrund ständig mitlaufen, leise, aber unüberhörbar. Und während ich versuchte, mich auf das Hier und Jetzt einzulassen, beobachtete ich mich gleichzeitig dabei, wie mein Verstand nach Erklärungen suchte, während mein Gefühl längst eine eigene, sehr klare Wahrheit kannte.

Meine Oma in der Küche

Und dann passierte es.

Nicht in einem besonderen Moment. Nicht während einer Meditation. Nicht, als ich bewusst offen oder fragend war. Sondern ganz nebenbei.

Ich stand in der Küche und spülte das Geschirr. Was ja, wenn man ehrlich ist, manchmal auch eine Form von Meditation ist – nur mit mehr Tellern.

Ein völlig gewöhnlicher Augenblick – Teller, Töpfe, Abwasch, Alltag. Und genau dort, mitten in dieser Selbstverständlichkeit, tauchte links neben mir eine deutlich spürbare und so vertraute Präsenz auf:

Meine Oma.

Nicht sichtbar im klassischen Sinne, nicht als Bild neben mir – und doch so eindeutig, dass ich keinen einzigen Moment daran zweifelte. Es war diese vertraute, liebevolle, warme Präsenz, die ich so gut kannte. Diese ganz bestimmte Qualität, die man nicht erklären kann, aber sofort erkennt.

Zu meiner Oma hatte ich schon zu ihren Lebzeiten eine sehr enge Verbindung. Durch meine frühe Übersinnlichkeit wusste ich damals sogar, als ihr Tod näher kam, dass es soweit war. Ich habe sie in den Tod begleitet und furchtbar um sie getrauert, als sie gestorben war. Ich konnte sie sogar auf ihrer Beerdigung sehr deutlich wahrnehmen. Sogar physisch.

Das war ein unglaubliches Erlebnis. Ich hatte unzählige rote Rosen gekauft, ihren Sarg und ihren Körper mit diesen Rosen bedeckt und lag, schreiend und weinend, beinahe halb auf ihr, weil ich sie nicht loslassen konnte. Plötzlich spürte ich, wie mich jemand sehr stark am Arm von ihrem Leichnam wegzog. Dieser Griff an meinem Oberarm war so fest, dass es richtig weh tat. Als ich mich umdrehte und bemerkte, dass niemand neben mir stand, wurde mir klar, dass dieses Wegziehen nicht von einem Menschen gekommen sein konnte. Im Nachhinein verstand ich: Es war die Seele meiner Oma.

Denn für Verstorbene gibt es kaum etwas Schwereres, als zu sehen, wie die Hinterbliebenen in ihrer Trauer zusammenbrechen, schreien und weinen. Sie können in diesem Moment nichts verändern – nicht trösten, nicht beruhigen. Sie sind gezwungen, es machtlos mit anzusehen. Und manchmal versuchen sie, dazwischenzugreifen. Manchmal kann man das sogar körperlich spüren. Oft zeigt sich ihre Präsenz eher subtil – zum Beispiel, indem Lichter flackern oder elektrische Geräte reagieren. Doch wenn der Wille stark genug ist, kann sich diese Präsenz auch ganz direkt zeigen. So spürbar, dass sie fast körperlich wird – so wie in diesem Moment mit meiner Oma.

Ich war nach ihrem Tod in einer so tiefen Trauer, dass sie kein Ende zu nehmen schien. Das war auch einer der Gründe, warum die spirituellen Rückführungen in mein Leben gekommen sind – weil ich die Seele meiner Oma unbedingt wahrnehmen wollte. Und als ich sie dann in einem Trancezustand als Seele sah und spürte, wie gut es ihr geht, wie glücklich sie dort oben war, war meine Trauer plötzlich vorbei. Ich fragte mich damals: Warum weine ich hier jede Nacht auf der Erde um diesen Verlust, während sie dort oben so glücklich ist?

Dieser Moment hat sehr viel verändert. Auch meine Verbindung zu ihr auf der anderen Seite. Seitdem bin ich – auch jetzt noch, über 10 Jahre nach ihrem Tod – dankbar, wenn ich sie wahrnehmen darf. Oft kommt sie mit einer Botschaft. Oft wie eine Begleiterin durch schwierige Phasen. Und genauso war es auch hier.

Plötzlich stand sie neben mir, und ihre Präsenz konnte ich mit nichts verwechseln.

„Ihr müsst hier weg.“

Und dann kam dieser Gedanke, als würde sie ihn mir klar und deutlich übermitteln.

Nicht vorsichtig. Nicht fragend. Sondern ganz klar:

Ihr müsst hier weg.

Ich hielt inne. Das Wasser lief weiter über meine Hände, das Geschirr war noch in meiner Hand – aber innerlich war ich ganz aufmerksam, ganz Ohr. Es war, als würde alles kurz anhalten, um ihrer Botschaft Raum zu geben.

Mein erster Impuls war ehrlich gesagt Freude. Ich war glücklich, dass sie gekommen war, dass ich ihre Präsenz plötzlich so deutlich spüren konnte, denn ich hatte sie schon lange nicht mehr wahrgenommen. Ich begann innerlich mit ihr zu sprechen. Ich erklärte ihr, wie schön es hier in der Toskana ist, wie sehr ich mir gewünscht hatte, diese Region in Italien zu sehen, diese Schönheit und diese Weite zu genießen. Ich versuchte, ihr all die Gründe aufzuzählen, warum wir hier gerne bleiben würden.

Doch ihre Präsenz blieb ruhig – und gleichzeitig absolut klar in ihrer Botschaft:

„Die Energien werden sich bald verschlechtern. Ihr müsst hier weg.“

Ich konnte es nicht verstehen. Was bedeutet das konkret? Was heißt „schlechter“ in diesem Zusammenhang? Es war kein dramatisches Bild, keine konkrete Warnung – eher ein Wissen, das sich nicht erklären, aber auch nicht wegdenken ließ.

Und dann nannte sie einen Zeitpunkt:

„Spätestens am Donnerstag müsst ihr hier weg sein.“

Ich ging innerlich den Kalender durch… und blieb plötzlich stehen.

Donnerstag ist der 31. Oktober.

In diesem Moment brauchte es keine weitere Erklärung mehr.

Halloween.

Der Tag, an dem – zumindest in vielen spirituellen Traditionen – die Grenze zwischen den Welten dünner wird. Der Moment im Jahr, in dem das, was normalerweise getrennt ist, sich berührt.

Und ich war an einem Ort, der sich ohnehin schon nicht wie nur ein Ferienort angefühlt hatte.

Mein Blick fiel innerlich auf all das, was ich in den ersten Tagen intuitiv getan hatte – das Salz, die Kräuter, die kleinen Schutzrituale. Dinge, die sich vorher ganz selbstverständlich richtig angefühlt hatten. Und plötzlich kam dieser Gedanke, halb ernst, halb mit einem leisen inneren Schmunzeln über mich selbst:

Ich hatte so ein leises Gefühl, dass ein bisschen Salz hier vielleicht nicht ganz die Liga ist, die gerade gefragt ist. Nicht gegen das, was sich hier möglicherweise öffnen könnte. Der Spiegel stand ja immer noch im Haus – aus ganz pragmatischen Gründen, weil ich nicht riskieren wollte, dass er draußen geklaut wird. Aber wenn er sich jetzt schon wie ein Portal anfühlte, wollte ich ehrlich gesagt lieber nicht testen, welche „Upgrade-Version“ er an Halloween bekommt. Ein Tor zur Unterwelt stand jedenfalls nicht auf meiner Reise-To-do-Liste.

Es war kein Horrorfilm im klassischen Sinne – eher dieses leise, aber sehr klare Gefühl, dass ich nicht herausfinden wollte, wie sich dieser Ort an genau diesem Tag anfühlen würde.

Ein Zeichen namens Kündigung

Innerlich bat ich meine Oma: „Kannst du uns bitte nicht irgendwie Schutz geben? Wir wollen gerne bis zum Wochenende bleiben und haben den Vermieter schon nach einer Verlängerung gefragt.“

Meine Oma gab eine klare Antwort und verschwand dann:

„Ich kann euch helfen, indem eure Wohnung nicht verlängert wird.“

„Sehr witzig“, dachte ich.

Und ging mit diesen interessanten Erkenntnissen ins Bett.

Am nächsten Morgen kam die Nachricht vom Vermieter.

Die Unterkunft sei doch nur bis Dienstag verfügbar. Die Verlängerung sei – entgegen der vorherigen Zusage – auf einmal nicht mehr möglich.

Ich las die Nachricht und musste schmunzeln.

Alles klar, Oma. Das nennst du also Hilfe. Na gut.

Uns blieb nichts anderes übrig, als uns auf die baldige Abreise vorzubereiten.

Nicht nur gehen – auch reinigen

Am Abend hatte ich einen Supervisions-Call mit zwei wundervollen Kolleginnen – zwei Frauen, die wie ich mit Energie arbeiten und solche Wahrnehmungen nicht hinterfragen müssen, weil sie sie kennen.

Ich erzählte ihnen alles: die Wahrnehmung, die Zweifel, die Situation.

Und eine von ihnen sagte ganz ruhig, fast selbstverständlich:

„Wenn du schon an so einen Ort geführt wirst, dann vielleicht nicht nur, um ihn zu verlassen. Sondern auch, um etwas dort zu verändern. Um zu reinigen. Und zu segnen. Du arbeitest ja mit Energien, kannst sie wunderbar leiten. Du reinigst die Aura von Menschen – warum also nicht die Energie und Aura dieses Ortes? Vielleicht hat dich dieser Ort gerufen, damit du hier dein Licht hinterlassen kannst.“

Dieser Gedanke blieb.

Nicht als Pflicht.
Eher wie eine Einladung.

Die letzte Nacht

Am letzten Tag nahm ich mir bewusst Zeit dafür. Ohne große Rituale, ohne etwas Besonderes daraus zu machen. Es war keine perfekte Zeremonie – eher eine klare innere Ausrichtung.

Ich bat die Schöpfung und die violette Flamme von Saint Germain um eine grundlegende Reinigung der schweren Energien. Um Frieden für die verstorbenen Seelen – insbesondere für jene, die keinen würdigen Abschied hatten. Um Licht für diesen Ort. Um Segen für alle, die dort leben.

Für den Ort.
Für die Erde.
Für das, was dort war – und vielleicht auch für das, was dort geblieben ist.

Und danach, in der letzten Nacht an diesem Ort… geschah für mich ein Wunder.

Zum ersten Mal schlief ich so ruhig wie schon lange nicht mehr.

Und ich träumte von meiner Oma.

Was diesen Traum so besonders gemacht hat, war nicht nur ihre Anwesenheit – sondern die Liebe, die ich zu ihr gespürt habe, und auch die ganz herzlichen Umarmungen und Küsse von ihr. Ich wusste im Traum nicht, dass sie gestorben war. Sie war einfach da, ganz lebendig, und es fühlte sich an wie an einem wunderschönen Tag in meiner Kindheit, an dem sie da war und ich ihre Liebe voll und ganz spüren konnte.

Diese Nähe, diese Wärme, diese Liebe – nichts daran fühlte sich wie Erinnerung an. Es war ein echtes Erleben, ein echtes Wiedersehen.

Ich träume fast nie von ihr – und noch nie so lebendig wie dieses Mal. Vielleicht war genau deshalb dieser Traum so kostbar.

Für mich war er ein absolutes Geschenk.

Ein stilles Zeichen.
Ein „Ich bin da“.
Ein „Du hast richtig gespürt“.
Oder vielleicht sogar: „Du hast richtig gehandelt.“

Vertrauen statt erklären

Und irgendwo zwischen all dem wurde mir klar, dass es gar nicht darum geht, alles erklären zu können. Sondern darum, zu vertrauen.

Darauf, dass das, was ich wahrnehme, nicht zufällig ist. Dass diese Feinheit keine Schwäche ist, sondern eine Form von Wahrnehmung, die mich genau dorthin führt, wo ich gerade sein soll.

Wir fuhren am nächsten Tag weiter Richtung Süden, und ich war von diesem Traum tief berührt. Ich hatte wieder genügend Zeit, als Sozia auf dem Motorrad meine Gedanken über das Erlebte zu sortieren.

Nicht jeder Geist ist gleich

Normalerweise kann ich Verstorbene oder Geister gut wahrnehmen, wenn sie auftauchen und mir etwas mitteilen wollen. Allerdings ist diese Gabe oft auch belastend, und mit der Zeit habe ich gelernt, meine Grenzen gut zu halten. Denn das oberste Gesetz ist für mich der freie Wille. Wenn ich keine Lust habe, mich mit Geistern zu unterhalten, schicke ich sie mit meiner Intention und meinen Gedanken auch wieder weg.

Aber wenn es um meine Familie geht – wie zum Beispiel um meine Oma –, dann spüre ich natürlich diese Vertrautheit. Diese Seele fühlt sich nicht fremd an.

Andere Geister hingegen fühlen sich eher kalt und fremd an.

Ich bin eher ein Freund davon, Geister zu rufen, wenn es um eine verstorbene Person eines Klienten oder einer Freundin geht und sie Kontakt aufnehmen wollen. Aber wenn fremde Geister mit mir Kontakt aufnehmen wollen, mache ich mich oft bewusst nicht verfügbar.

Ich hatte einmal eine Lebensphase, in der ich mich auf solche Gespräche mit fremden Geistern eingelassen habe. Und ich habe ziemlich schnell festgestellt, dass sie oft über sinnlose Dinge sprechen, die sie immer noch an das Leben auf der Erde festhalten. Und ich bin überzeugt, dass diese Seelen dadurch nur schwerer werden. Ich glaube, dass Seelen ins Licht gehen sollten – genau dorthin, wo sie ihre Inkarnation reflektieren, die ganze Schwere der Erde loslassen, Frieden schließen und sich erholen können. Dort können sie vergeben, loslassen, sich neu sortieren, vielleicht schon etwas für eine neue Inkarnation vorbereiten, sich mit anderen Seelen verabreden für bestimmte Begegnungen, Situationen oder Lebensereignisse, in denen Karma bearbeitet werden kann.

Aber all das können sie nicht auf der Erde tun, wenn sie als Geister hier hängen bleiben.

Natürlich gibt es Gründe, warum Seelen nicht ins Licht gehen. Oft ist es Schwere, Trauer oder ein plötzlicher Tod. Als Leiterin für spirituelle Rückführungen begleite ich viele Klienten in frühere Inkarnationen, und wir gehen dort oft auch über den Tod hinaus in die geistige Welt – an jenen Ort, wo man das erlebte Leben reflektieren kann. In vielen Rückführungen begegnet man genau den Gründen, warum eine Seele nicht ins Licht gehen konnte.

Ich selbst hatte auch frühere Inkarnationen, nach denen es schwierig war, ins Licht zu gehen, wenn auf der Erde etwas nicht abgeschlossen war oder ich bei meinen Kindern bleiben wollte, statt zu gehen. Deshalb ist es durchaus möglich, dass eine Seele eine gewisse Zeit noch auf der Erde bleibt. Nicht optimal – aber nach meiner Erfahrung kommt das vor.

Je mehr man frühere Inkarnationen kennenlernt, desto besser entwickelt sich ein inneres Verständnis dafür, wie das alles funktioniert. Und ich habe natürlich zusätzlich den Vorteil, dass ich auch zahlreiche Klienten auf diese inneren Reisen begleite. Auch dort lerne ich unendlich viel.

Somit ist dieses Thema, was Geister angeht, für mich überhaupt nichts Besonderes oder Komisches. Für mich ist es normal und verständlich. Gerade weil ich mich seit dem Tod meiner Oma intensiv damit auseinandergesetzt habe. Mittlerweile seit über 10 Jahren.

Frankreich: meine erste Begegnung mit einem Geist

Ich habe auch als Kind gespürt, wenn der Tod einem bestimmten Menschen oder auch unserem Hund nahekam. Ich wusste oft sehr genau, wann ich einen Angehörigen zum letzten Mal in meinem Leben sehe. Gerade als Jugendliche war das für mich unglaublich schwierig. Besonders dann, wenn ich später feststellen musste, dass mein Empfinden wahr gewesen war und diese Person oder unser Hund tatsächlich kurz darauf gestorben sind.

Es war so schmerzhaft für mich, dass ich diese Wahrnehmungen lange blockiert habe.

Bis ich Mitte zwanzig ein Erlebnis in Frankreich hatte. Dort war es das erste Mal, dass ich dieses seltsame Beobachtetwerden wahrnahm. Nicht greifbar, nicht sichtbar – aber deutlich spürbar. Und genau dieses Gefühl begegnete mir jetzt in der Toskana wieder.

Mit einem Unterschied:

In Frankreich bin ich damals noch in Kontakt gegangen. Aus Neugier. Aus dem Bedürfnis zu verstehen.

In der Toskana war es anders. Ich habe mich bewusst nicht darauf eingelassen. Nicht, weil ich es nicht konnte – sondern weil ich inzwischen wusste, wohin es führen kann.

Ich wollte diese Reise genießen. Arbeiten, schlafen, durchatmen. Einfach einen ganz normalen Alltag haben – ohne in eine Geschichte hineingezogen zu werden, die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet.

Mit Mitte zwanzig wusste ich das alles noch nicht. Damals war ich einfach nur neugierig. Auch wenn ich gleichzeitig große Angst hatte.

In dem Haus in Frankreich nahm ich ein verstorbenes Mädchen wahr. Sie war vielleicht 12 Jahre alt, hatte lockiges Haar und trug ein langes weißes Nachthemd mit Spitze an den Ärmeln. Gerade wenn ich allein war – zum Beispiel beim Duschen – stand sie plötzlich da. Ich habe sie natürlich nicht mit dem physischen Auge gesehen. Es war eher dieses seitliche Sehen. Nicht wenn man direkt hinschaut, sondern so, dass man spürt oder wahrnimmt, dass rechts oder links jemand steht – und wenn man sich umdreht, ist da niemand. So war das.

Und damals machte mir das richtig Angst.

Ich erzählte es meinem Mann. Und auch in diesem Haus hatte ich Angst, mich umzuziehen. Jedes Mal, wenn ich nackt war – beim Duschen, beim Umziehen oder auch beim Sex –, fühlte ich mich beobachtet. Das war sehr unangenehm.

Und genau dieses Gefühl hatte ich in der Toskana auch wieder.

Damals in Frankreich war ich trotz meiner Angst sehr neugierig, woher diese Empfindungen kommen. Das Mädchen begleitete mich weiter, und irgendwann beschloss ich, sie zu fragen, warum sie überhaupt auftaucht. Sie teilte mir mit, dass sie verschwunden sei und ihre Familie nicht wusste, dass sie gestorben war. Sie dachten, sie sei abgehauen. Sie war nicht beerdigt und verabschiedet worden, und genau das belastete sie.

Als ich wieder in München war, beschloss ich deshalb, noch einmal nach Frankreich in dieses Haus zu fahren. Denn ich konnte das Mädchen auch dort in München weiterhin wahrnehmen – was für mich gar nicht angenehm war.

Also reiste ich zurück nach Frankreich, bat sie innerlich, mir zu zeigen, an welcher Stelle sie ums Leben gekommen war, und sprach auch mit der Inhaberin des Hauses. Diese bestätigte mir, dass das Gebiet dort tatsächlich nicht ungefährlich sei, weil es ein Moorgebiet war. Die Wahrscheinlichkeit, dass dort ein Mädchen ums Leben gekommen war, war also durchaus real.

Ich pflückte Wiesenblumen, bat sie innerlich, mir den Ort zu zeigen, und verabschiedete sie dort im Gebet.

Seitdem habe ich dieses Mädchen nie wieder wahrgenommen.

Das war für mich ein sehr einschneidendes Erlebnis. Und es war auch der Moment, in dem ich begann, Lehrer und Mentoren zu suchen, die mich bei meinen übersinnlichen Wahrnehmungen aufklären und begleiten konnten.

Zu dieser Zeit begann ich gerade, meine Doktorarbeit zu schreiben. Und als junge Wissenschaftlerin machte es mir große Sorgen, dass es in meinem Leben Dinge gab, die ich sehr deutlich wahrnehmen konnte, die mein Verstand aber nicht erklären konnte. Das machte mir wirklich Angst. Ich suchte sehr analytisch nach Antworten.

Zum Glück fand ich Mentoren, die mich in den folgenden Jahren begleitet und unterstützt haben, sodass ich heute mit dieser Gabe im Reinen bin und Erlebnisse wie in der Toskana mittlerweile gut bewältigen kann.

Und trotzdem sind es Erfahrungen, die einen beschäftigen.

Warum ich diese Geschichten teile

Als wir schließlich Toskana verliessen und an die Küste des Mittelmeers kamen, nahm ich mir eine Woche Zeit, um meine Gedanken über all diese Wahrnehmungen zu sortieren. Wenn man so viel erlebt, braucht man manchmal einfach Ruhe, um wirklich nachdenken zu können.

Dort entstand die Idee zu diesem Blog.

Am Strand spazieren, denken, sortieren – und irgendwann wurde mir klar, dass ich über diese Übersinnlichkeit schreiben möchte. Denn dieses Thema ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu. Es wird oft nicht verstanden, belächelt oder direkt abgelehnt.

Und als Wissenschaftlerin kann ich völlig nachvollziehen, dass wir gewisse Dinge nicht beweisen oder messen können. Und trotzdem sind sie da.

Als ich damals in Frankreich war, wünschte ich mir nichts sehnlicher, als Menschen zu treffen, mit denen ich darüber reden kann. Menschen, die mich nicht komisch anschauen, sondern mich verstehen oder zumindest ernst nehmen.

Damals bestand mein Freundeskreis aus jungen Wissenschaftlern wie mir, mit denen ich darüber nicht sprechen konnte. Ich wollte nicht komisch wirken. Ich wollte nicht abgelehnt werden. Ich wollte nicht für verrückt gehalten werden.

Es hat sehr viel Zeit gebraucht, bis ich über solche Dinge überhaupt reden konnte.

Und ich bin fest davon überzeugt, dass ich bei Weitem nicht die Einzige bin. Seit ich offen darüber spreche, begegnen mir immer mehr Menschen, die ähnlich empfinden – und genau das hat mir gezeigt, dass ich nicht allein bin.

Und ja – es kostet Mut, darüber zu sprechen. Gerade als Wissenschaftlerin, als jemand, der die menschliche Psyche studiert hat und aus einer Wissenschaftlerfamilie kommt. Natürlich ist es schmerzhaft, dass meine Eltern mich darin nicht verstehen und ich mit ihnen bis heute nicht offen darüber reden kann.

Aber ich habe andere wundervolle Menschen kennengelernt, die mich verstehen, die mich unterstützen und die auch die Idee dieses Blogs gut und wichtig finden.

Deshalb schreibe ich seit der Toskana diese Geschichten auf – die, die du hier auf diesem Blog liest.

Nicht nur, um meine Geschichte zu erzählen und diese Erlebnisse festzuhalten, sondern auch, um Menschen zu erreichen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und vielleicht genau in denselben Zweifeln und Unsicherheiten stecken, in denen ich früher war.

Denn damals wollte ich vor allem eines wissen:

Dass ich nicht die Einzige bin. Dass es noch jemanden gibt, dem es so geht wie mir.

Und heute weiß ich: Ich bin es nicht.

Ich freue mich auf Deine Gedanken zu meinem Blogartikel.

Hat dich etwas in diesem Artikel berührt oder erinnert dich meine Erfahrung an etwas, das du selbst erlebt hast? Teile es gerne in den Kommentaren.

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